Publikation Geschichte - Parteien- / Bewegungsgeschichte - Erinnerungspolitik / Antifaschismus Mythen über die Internationalen Brigaden

Neue Forschungsergebnisse zum spanischen Bürgerkrieg. Hamburger Skripte 14/2010.

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Dezember 2006

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Der Spanische Bürgerkrieg und die Internationalen Brigaden gehören zu jenen Ereignissen des 20. Jahrhunderts, die entsprechend dem politischen bzw. ideologischen Standpunkt nur Deutungen in Schwarz-weiß heraufbeschwören und bis heute von zahlreichen Mythen umgeben sind.

Hinter den Legenden, Ereignissen und Schlachten verschwanden jedoch sowohl die Lebenswirklichkeit der einfachen Soldaten als auch die realen Handlungsmöglichkeiten der Führung - erst recht deren interne Auseinandersetzungen. Ihre jeweiligen Motive wurden vielfach auf eine diffuse anti-faschistische Grundhaltung reduziert, während der Führung per se kommunistisches Dominanzstreben unterstellt wurde. In den Jahrzehnten seit dem Krieg dienten die Mythen jeweils unterschiedlichen Traditions- und Legendenbildungen sowie Identifikationsmöglichkeiten.

Die Literatur zum Krieg in Spanien ist vielfältig und für Nicht-Fachhistoriker kaum zu übersehen. Auch in jüngster Zeit wurden neue Forschungs- bzw. Erinnerungsliteratur nicht nur in Spanien, sondern auch im deutschsprachigen Raum publiziert. Erwähnt seien die Arbeiten von Frank Schauf (Der verspielte Sieg. Sowjetunion, Kommunistische Internationale und Spanischer Bürgerkrieg, Frankfurt 2005) und Florian Legner (Solidaridat. Deutsche im Spanischen Bürgerkrieg, Berlin 2006). Aber auch der bislang in der früheren DDR nur zensiert erschienene Bericht des ehemaligen Kommandeurs des Thälmann-Batallions der Internationalen Brigaden, Ludwig Renn, wurde dankenswerter Weise erstmals veröffentlicht (Der Spanische Krieg, Berlin 2006, herausgegeben von Günther Drommer).

Dies war auch Grund genug für uns, Dr. Angela Berg einzuladen, die im vergangenen Jahr ihre Forschungsarbeit zu den Internationalen Brigaden vorgelegt hat. Auf der Basis neu zugänglichen Quellenmaterials wird sie die Alltagsrealität dieser ungewöhnlichen Armee in den Mittelpunkt ihrer Erörterung stellen. Sie hinterfragt die These von der Comintern Army ebenso wie den Mythos vom proletarischen Internationalismus.

Den Zeitpunkt für die Veranstaltung und die daraus resultierende Veröffentlichung wurde durch die historischen Ereignisse von genau 70 Jahren bestimmt: Nachdem am 18/19. Juli 1936 Teile des spanischen Militärs gegen die rechtmäßige spanische Regierung putschten und am 19.10.36 der Angriff auf Madrid begann, wurden die sich formierenden Internationalen Brigaden ab dem 7.11. erstmals zur Verteidigung der spanischen Hauptstadt eingesetzt.

Menschen aus mehr als fünfzig Ländern fuhren nach Spanien, um für die Spanische Republik bzw. gegen die militaristischen und faschistischen Putschisten und ihre deutschen und italienischen Verbündeten zu kämpfen. Zahllose Unbekannte und Ungenannte aber auch - beispielsweise aus Deutschland - so bekannte Schriftstellerinnen und Schriftsteller wie Anna Seghers, Erika Mann, Ernst Busch und Erich Weinert. Der Sieg des Nationalsozialismus in Deutschland und anderer faschistischer Regime in Europa sind der Hintergrund vor dem sich Freiwillige den Internationalen Brigaden anschließen. Mehr als Vierzigtausend von Ihnen bezahlten den Einsatz mit dem Leben bzw. wurden verwundet. Ihrer Verdienste sollte gedacht werden.

Für die sich neuformierende demokratisch-sozialistische Linke gehört es zu ihren Aufgaben, sich über ihre historischen Wurzeln - über ihr Erbe - klar zu werden und die Traditionslinien zu bestimmen, denen sie folgen will. Eine Entkleidung der Internationalen Brigaden von ihren Mythen, unabhängig von wem und aus welchem Interesse sie verbreitet wurden bzw. werden, sollte dazugehören. Kritische Reflexion über die eigene Geschichte ist mithin gefordert. Kein leichtes Unterfangen. Aber die Frauen und Männer der Internationalen Brigaden hätten es verdient.

Weitere Informationen über die Internationalen Brigaden findet sich auf der Website www.Internationale-Brigden.de, die die Historikerin Dr. Angela Berg aufgebaut hat.

Diese Publikation entstand mit freundlicher Unterstützung der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Berlin.

Meinhard Meuche-Mäker, Vorstand Rosa-Luxemburg-Bildungswerk.