18. Juni 2019 Diskussion/Vortrag Ansätze und Grenzen ökologischer Klassenpolitik. – Oder: „Das Einfache / Das schwer zu machen ist“

Information

Veranstaltungsort

Hörsaal der Uni Hamburg
Von-Melle-Park 9
20146 Hamburg

Zeit

18.06.2019, 19:00 - 21:00 Uhr

Themenbereiche

Arbeit / Gewerkschaften, Soziale Bewegungen / Organisierung, Sozialökologischer Umbau

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Die kapitalistische Produktionsweise kann sich nur entfalten, so formulierte Marx bereits im Kapital, „indem sie zugleich die Springquellen allen Reichtums untergräbt: die Erde und den Arbeiter“. Das intensivierte Abpressen von Mehrarbeit in den Betrieben und Verwaltungen infolge neoliberaler Konterrevolutionen, neuer Konkurrenzverhältnisse auf dem Weltmarkt und geschwächten Gewerkschaften auf der einen und der fortschreitende Klimawandel auf der anderen Seite scheint die marxsche Prognose zu bestätigen. Alles deutet darauf hin, dass die Wachstumsdynamik des fossilen Kapitalismus an Schranken stößt und einen sozialistisch-ökologischen Umbau der Produktions- und Lebensweise erzwingt, ökologische Klassenpolitik also erforderlich macht.
Während soziale Bewegungen gegen die Fortschreibung des Kohleabbaus, gegen den von der Automobilindustrie dominierten Komplex der Mobilitätswirtschaft und für Klimagerechtigkeit (Fridays for Future) neu entstehen, schwächt der durch Gesetze, Verordnungen und Verbote erzwungene ökologische Rück- oder Umbau zentraler Branchen des fossilen Kapitalismus die Organisationsmacht gewerkschaftlicher Interessenpolitik, auch weil neue Industrien in der Branchenhierarchie aufrücken. Die Gewerkschaften sehen sich in die Defensive gedrängt und versuchen, erkämpfte Rechte und Besitzstände zu bewahren. Dabei bricht der historisch gewachsene Widerspruch zwischen der Politik der Arbeiterbewegung, der Partizipation der lebendigen Arbeit am gesellschaftlichen Reichtum und sozialer Emanzipation, und ökologischen Anforderungen erneut hervor. Die Konstitution einer „Mosaik-Linken“ (Hans-Jürgen Urban), einem durchsetzungsfähigen Bündnis aus ‚alter‘ Arbeiterbewegung und ‚neuen‘ sozialen Bewegungen und  als Ort der Entwicklung demokratischer und ökologischer Klassenpolitik scheint unmöglich.
Für Brecht war der Kommunismus „das Einfache / Das schwer zu machen ist“. Ähnliches gilt für ökologische Klassenpolitik. –  Der Vortrag wagt eine tour d’horizon durch den Dschungel von Konzepten und Praxisformen sozialer Emanzipation in der Geschichte der Arbeiterbewegung, durch die Krisen des Kapitalismus und seinen Verdauungsmechanismus, durch den die emanzipatorische Politik kanalisiert und in Integrationslogik verwandelt wird. Einen Schwerpunkt des Vortrags bilden die Erfahrungen des Scheiterns demokratischer Umbaustrategien in der Rüstungskonversion der 1980er Jahre. Welche Lehren lassen sich für eine Konversionspolitik bzw. eine ökologische Klassenpolitik heute ziehen? Wie ist die Konstitution einer „antagonistischen Logik“ (Lelio Basso) möglich, die nicht von der „konzentrierten gesellschaftlichen Macht“ des Kapitals (Marx) verdaut werden kann und einen demokratischen und ökologischen Umbau erzwingt?

Veranstaltung mit Bernd Röttger, Lehrbeauftragter an der Universität Jena, Redakteur des Historisch-kritischen Wörterbuchs des Marxismus u. der Zeitschrift Das Argument

In Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft für gewerkschaftliche Fragen (AgF) Hamburg

Die AgF führt für Interessierte ein Offenes Vorbereitungstreffen/Tutorium am 28.05.2019 um 19 Uhr durch.(bitte via Mail anmelden: agf-hh@gmx.de)


 

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Rosa Luxemburg Stiftung Hamburg

Telefon: 040 28003705