26. September 2017 Diskussion/Vortrag Eine andere israelische Geschichte

Ambivalenzen im Zionismus I

Information

Veranstaltungsort

Institut für die Geschichte der deutschen Juden
Beim Schlump 83
22799 Hamburg

Zeit

26.09.2017, 18:30 - 20:30 Uhr

Themenbereiche

Geschichte, International / Transnational

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Eine andere israelische Geschichte
Auschnitt aus Eran Torbiner’s Film Matzpen Archive of Matzpen

Seit den Anfängen des Palästinakonflikts hat es immer wieder Bemühungen gegeben, den kaum überwindbaren Gegensatz um Israel in Palästina durch eine Perspektive der Gemeinsamkeit und der gegenseitigen Anerkennung von Juden und Arabern aufzuheben. Keine dieser Bestrebungen war indes Aufsehen erregender und umstrittener, als die der Israelischen Sozialistischen Organisation, die seit dem Junikrieg des Jahres 1967 unter dem Namen ihrer Zeitschrift Matzpen (Kompass) internationale Berühmtheit erlangte. Da stand die Gruppe mit ihrer Forderung nach einem unmittelbaren israelischen Rückzug aus den jüngst besetzten Gebieten in Israel außerhalb des nationalen Konsens, um mit ihrer Hoffnung auf eine sozialistische Revolution im Nahen Osten indes eine Heimat in der globalen neuen Linken zu finden.

Im Zentrum des Vortrags steht diese Geschichte von Matzpen, die 1962 als Abspaltung von der Kommunistischen Partei Israels gegründet wurde und seit ihrem Bestehen eine Lösung des Palästinakonflikts und einer gemeinsamem jüdischen-arabischen Zukunft im Nahen Osten zum Schwerunkt hatte. Darüber hinaus wird der Blick zugleich auf die Frage gerichtet, inwiefern diese vergangene Hoffnung ebenso von der vergangenen Utopie einer sozialistische Revolution zehrte, wie sich zugleich die jüdische Erfahrung des "Zivilisationsbruchs" Auschwitz außen vor hielt.

Lutz Fiedler ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum Jüdische Studien Berlin-Brandenburg und am Institut für Kulturwissenschaften der Humboldt-Universität Berlin. Er arbeitet gegenwärtig an einer Biografie zu Nahum Goldmann. Sein gleichnamiges Buch Matzpen - Eine andere israelische Geschichte  erschien 2017 bei Vandenhoeck & Ruprecht.

Sehenswert: Der Dokumentarfilm"Matzpen" von Eran Torbiner.


2017 jähren sich zwei Zäsuren der Geschichte des Zionismus:

1917 stellte der britische Außenminister Lord Balfour erstmals eine "jüdische Heimstatt" in Aussicht. Diese nach ihm benannte "Balfour-Erklärung" löste eine Euphorie aus und wurde zum Angelpunkt der zionistischen Agitation. Im deutschen Judentum blieb der Zionismus dennoch eine Minderheitenbewegung und erst ab 1933 wanderten zahlreiche deutsche Juden auf der Flucht vor den Nationalsozialisten dorthin aus.

1967, 50 Jahre später, folgte mit dem Sechs-Tage-Krieg ein weiterer Wendepunkt, der die Stellung Israels im Nahen Osten und auch die israelische Gesellschaft selbst fundamental veränderte. Neben den israelischen Schwarzen Panthern, die für die Rechte benachteiligter arabischer Juden stritten, war es die israelische sozialistische Organisation Matzpen, die innerhalb der israelischen Gesellschaft für große Aufregung sorgte - wegen ihrer kompromisslosen Kritik der Besatzung und ihrer Forderung einer sozialistischen Föderation von Juden und Arabern im Nahen Osten.

Die drei Vorträge dieser Reihe versuchen einen historischen Bogen zu schlagen von den Anfängen der zionistischen Euphorie 1917 bis zur Ernüchterung in Teilen der israelischen Linken nach 1967 und stellen dabei die Stimmen der deutschen und israelischen Jüdinnen und Juden in den Mittelpunkt.

Der Flyer zur Veranstaltungsreihe.

In Kooperation mit dem Institut für die Geschichte der deutschen Juden.  Gefördert durch die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg

 

 

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