18. Juni 2020 Diskussion/Vortrag Ökonomisierung der Schule

Analyse und Alternativen

Information

Veranstaltungsort

Curio-Haus
Rothenbaumchaussee 15
20148 Hamburg

Zeit

18.06.2020, 19:00 - 21:00 Uhr

Themenbereiche

Arbeit / Gewerkschaften, Kapitalismusanalyse, Bildungspolitik, Wirtschafts- / Sozialpolitik, Digitaler Wandel

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Ökonomisierung der Schule

Die Ökonomisierung des Schulwesens reicht vom Sponsoring des Schulfests durch die örtliche Sparkasse über die Entsendung von Unternehmensvertreter*innen in den Unterricht bis hin zum Angebot kostenfreier Lehrerfort- und -weiterbildungen durch unternehmensnahe Stiftungen. Schulleistungsvergleiche wie PISA, IGLU und TIMMS haben in der schulpolitischen Debatte inzwischen ebenso ihren Niederschlag gefunden wie in dem jährlich von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) beauftragten „Bildungsmonitor“, der die Leistungsfähigkeit der Bildungseinrichtungen in den verschiedenen Bundesländern aus einer ökonomischen Perspektive beleuchtet. Beinahe ebenso vielfältig wie die Erscheinungsformen der „Verbetriebswirtschaftlichung“ der einst als pädagogischer „Schonraum“ gedeuteten Bildungsinstitution Schule sind deren Ursachen.

Hinzu kommt der epochale Wandel unseres Bildungsverständnisses. Spätestens mit der flächendeckenden Einführung zentraler Lernstandserhebungen in Reaktion auf die Debatte um die Kompetenz- und Outputorientierung hat sich ein Bildungsverständnis Bahn gebrochen hat, das von Anwendbarkeit, Verwertbarkeit und Passfähigkeit gekennzeichnet ist. „Humboldt adé!“ – so könnte die Kurzformel für den Abgesang auf eine Bildung lauten, die immer häufiger als „Standortfaktor“ begriffen wird, um volkswirtschaftliches Wachstum, materiellen Wohlstand und internationale Wettbewerbsfähigkeit zu beflügeln. Gerade die Expansion von Berufsinformationsveranstaltungen, Bewerbertrainings und „Karrierecoachings der Berufsorientierung zeigt, wie weitreichend ökonomische Begründungs-, Entscheidungs- und Handlungslogiken inzwischen in der schulischen Bildung angelangt sind. Vor diesen Hintergründen soll der Vortrag der Frage nachgehen, welche Folgen die Verfestigung und Expansion ökonomischer Denk-, Handlungs- und Entscheidungsmuster für das Schulsystem bereits gezeitigt hat – und zu welchen schulpolitischen Reaktionen dies führen sollte.

Tim Engartner ist Professor für Didaktik der Sozialwissenschaften an der Goethe-Universität Frankfurt a. M. und Direktor der Goethe Lehrerakademie (GLA).

Gefördert durch die Landeszentrale für politische Bildung. In Kooperation mit der GEW.

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