27. September 2018 Diskussion/Vortrag Der jüdische Mai '68

Links der Bima: Jüdische Linke in Deutschland nach 1945

Information

Veranstaltungsort

Curio-Haus
Rothenbaumchaussee 15
20148 Hamburg

Zeit

27.09.2018, 19:00 - 21:00 Uhr

Themenbereiche

Geschichte, Ungleichheit / Soziale Kämpfe

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Der jüdische Mai '68
David Cohn Bendit spreekt in Capito theater te Amsterdam Jack de Nijs / Anefo

Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums sind die Ereignisse des Jahres 1968 medial wieder präsent. Von rechtskonservativer Seite werden die früheren Aktivisten immer wieder für die heutige Situation verantwortlich gemacht. So sprach der AfD-Parteivorsitzende Jörg Meuthen vom „versifften links-grünen 68er-Deutschland“, das es zu ändern gelte. Derartige Angriffe richteten sich häufig direkt gegen ehemalige Protagonisten der 68er-Bewegung.

Das ist kein neues Phänomen: Die konservative Kritik an dem in Deutschland wie in Frankreich aktiven Daniel Cohn-Bendit wies nicht selten antisemitische Untertöne auf. Bereits 50 Jahre zuvor war das Gesicht der französischen Studentenbewegung antisemitisch angefeindet worden.
Im Vortrag soll am Beispiel des Lebenswegs von Cohn-Bendit eine andere Perspektive auf die 68er-Bewegung geworfen werden, die als „Der jüdische Mai `68“ gefasst werden kann.
Dabei geht es um die Herkunft vieler Protagonisten, aber auch um die Bedeutung Frankreichs für die gesamteuropäische wie jüdische Geschichte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Blick zurück auf die Elterngeneration führt in die Lebenswelten der als Immigranten und Flüchtlinge aus Deutschland, Polen und dem Habsburgerreich kommenden Juden. Kommunismus, Zionismus und antifaschistisches Engagement bilden die Folie, vor der die Ereignisse des Mai '68 in neuem Licht erscheinen.


Sebastian Voigt ist Autor des Buches: „Der jüdische Mai ’68" Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Zeitgeschichte, München, Fellow am Institut für Soziale Bewegungen, Bochum, und Lehrbeauftrager an der Ruhr-Universität Bochum.


Politisches Engagement von Jüd_innen in Deutschland wird in der Regel in zweierlei Zusammenhang gesehen: hinsichtlich der israelischen Politik und bezogen auf die Rechte als Minderheit. Beide Formen gelten in der Regel als berechtigtes und doch partikulares Interesse, dem sich aus der Verantwortlichkeit für die nationalsozialistischen Verbrechen auch nicht-jüdische Deutsche beigesellen. Wenig beleuchtet ist ein universalistisches politisches Engagement von Jüd_innen. Historisch wird es vor allem in die Zeit bis zum Zweiten Weltkrieg verortet und mit dem Jüdischen Arbeiterbund in Verbindung gebracht. Doch auch die Neuen Linke fand signifikanten Widerhall unter jungen Jüd_innen. In der Revolte von 1968 war es Daniel Cohn-Bendit, der ein grenzüberschreitendes Sprachrohr der politischen Bewegung war. Bis heute prägt er eine progressive europäische Politik mit. Ende der 1970er Jahre fand sich in Frankfurt die Jüdische Gruppe zusammen, die sowohl der etablierten Gemeindepolitik wie auch der israelischen Politik kritisch gegenüberstanden.
Zwei Veranstaltungen sollen das Spektrum nicht-konformen politischen Aktivismus im deutschsprachigen Judentum nach 1945 beleuchten und beitragen, anhand dieses Beispiels die Verstrickungen zwischen partikularen Interessen und universalen Hoffnungen zu verdeutlichen.

In Kooperation mit dem Institut für die Geschichte der deutschen Juden und der GEW Hamburg

Gefördert durch die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg

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