17. November 2019 Diskussion/Vortrag „Wenn ich an 1968 denke...“ - Die Wiederkehr der linken Melancholie?

Information

Veranstaltungsort

mpz
Sternstraße 4
20357 Hamburg

Zeit

17.11.2019, 19:00 - 21:00 Uhr

Themenbereiche

Deutsche / Europäische Geschichte, Soziale Bewegungen / Organisierung, 1968

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„Wenn ich an 1968 denke...“ - Die Wiederkehr der linken Melancholie?

Vortrag und Diskussion mit Antje Géra (Gesellschaft zur Erforschung der Nachträglichkeit Hamburg und Universität Hildesheim)
„Linke Melancholie“ ist ein Schlagwort aus dem Begriffsarsenal der Alten Linken, das seit 1969 nicht nur die Neue Linke, sondern auch die Neueste Linke treffen soll. Das auf den Traum der 1968er-Revolten folgende „Trauma“ sei nicht mit Tatkraft, Entschlossenheit und Zukunftszugewandtheit bewältigt worden. Heute steht die „linke Melancholie“ der Neusten Linken für ein Syndrom, das sich in Vergangenheitsverhaftet- heit, Nostalgie und unbewältigter Trauer ausdrücke und zu Handlungsgehemmtheit führe. Diese Pathologie der Linken müsse bekämpft werden. Im Vortrag soll dem Verdacht nachgegangen werden, dass vom Gebrauch des Verdikts „linker Melancholie“ weniger über die Probleme politischer Praxis seit 1968ff. zu lernen ist, als über bestimmte problematische Vorstellungen dessen, was überhaupt „politische Praxis“ sei.
Gegen eine antimelancholische Perspektive auf politische Praxis werden Positionen feministischer Kritik und früher kritischer Theorie angeführt, die Melancholie als Modus von Gesellschaftskritik und Moment politischer Praxis ausweisen. „Linke Melancholie“ wäre dann nicht einfach als bloße „Pathologie“ oder defizitäre Haltung aufzufassen, sondern als eine Weise des Umgangs mit dem Erbe von 1968, sich schonungslos in eine selbstkritische, kollektive Auseinandersetzung um das in Tradierungen und Erbstreitigkeiten Verdrängte zu begeben.

In Kooperation mit der "Gesellschaft zur Erforschung der Nachträglichkeit".

Gefördert durch die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg.

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Telefon: 040 28003705