Pressemeldung | Hamburg Remember

Mit unserer Reihe Hamburg Remember möchten wir auf relevante historische Ereignisse aufmerksam machen, dabei die Linke in ihrer Pluralität – von der historischen Arbeiter*innenbewegung, über diverse soziale bis hin zu gewerkschaftlichen und migrantischen Bewegungen – abbilden und an ihre Kämpfe erinnern. Also gewissermaßen Beiträge zu einer linken Stadtgeschichte Hamburgs leisten.

Dabei geht es uns nicht zuletzt darum, Ereignisse herauszustellen, welche die politische Linke nachhaltig geprägt haben, ihre Erfolge und auch ihre Niederlagen aufzeigen. Aber auch an einzelne Personen erinnern,  die oftmals für die vielen namenlosen,  engagierten Menschen stehen, die in der offiziellen Erinnerungs- und Geschichtsschreibung nicht vorkommen.

Wir veröffentlichen die Reihe, die im Jahr 2019 begonnen hat, regelmäßig in Form von Beiträgen auf Facebook und Instagram – und jetzt auch hier auf unserer Website.

Hamburg Remember 2020

11. Oktober 1901: Jonny Dettmer wird in Hamburg geboren. Dettmer gehörte der Roten Marine Neustadt an - eine Untersektion des seit 1929 verbotenen Roten Frontkämpferbund (RFB). Am 21. Februar 1933 gab es einem Überfall auf das „Adler Hotel“ in der Schanzenstraße 2-4., damals ein bekannter Treffpunkt der SA-Schergen; es fallen Schüsse. Im „Adlerhotelprozess“ oder „Rote Marine-Prozess“ werden Jonny Dettmer und 47 Kameraden angeklagt. Es werden acht Todesurteile gesprochen, darunter auch Dettmer.

07. Oktober 1947: Im Sommer 1947 versuchten 4530 jüdische Überlebende des Holocaust mit Hilfe des Schiffes „Exodus“ aus Frankreich nach Palästina zu fliehen. Das Schiff gehörte der Untergrundorganisation Haganah, die seit den 30er Jahren versuchte Jüd*innen nach Palästina zu bringen
Jedoch wurde ihre Einreise verweigert.

22. August 1980: Der 22 jährige Nguyễn Ngọc Châu bei einem Brandanschlag auf ein Wohnheim in der Haskelstraße 72. neonazistischen Terrorzelle „Deutsche Aktionsgruppen“ um Manfred Röder. An der Wand des Wohnheimes hinterlassen sie den Schriftzug „Ausländer raus“. Es ist der tödliche Auftakt zu einer ganzen Reihe rassistischer Morde in Hamburg in den 1980er Jahren.

17. August 2008: Nach langjährigem Protest von linken Aktivist*innen, der Black Community sowie der Wandsbeker GAL- und SPD-Fraktionen wird die Bronze-Büste gegenüber des Wandsbeker Rathauses, die Heinrich Carl von Schimmelmann zeigt, endlich abmontiert. Schimmelmann, der als "Begründer der wirtschaftlichen Stärke Wandsbeks" geehrt wurde, kam vor allem durch die Ausbeutung von Sklav*innen und Waisenkindern zu seinem gigantischen Reichtum.

14. Juli 1939: Der Abriss der Synagoge auf dem Bornplatz beginnt. Die Stadt Hamburg zwang die jüdische Gemeinde mit Verweis auf ihr Rückkaufrecht, ihr das Grundstück ohne die Synagoge zu einem geringen Preis zu verkaufen. Die Kosten für den Abriss des Gebetshauses muss die Gemeinde selbst tragen. 

07. Juli 1930: Im Rahmen der „First International Conference of Negro Workers“ finden sich 17 kommunistische, schwarze Aktivist*innen in Hamburg mit dem Ziel ein, die Stadt zu einem zentralen Ort der Verknüpfung von panafrikanischem Aktivismus sowie der antikolonialen und antiimperalistischen Agenda der KomIntern zu machen.

20. Juni 1990: Student*innen der Universität Hamburg beschäftigen sich im Wintersemester 1989/1990 autonom mit »Homosexualität im Film« und entschließend sich, der oft stereotypischen Darstellung von Homosexuellen etwas entgegenzusetzen. Dabei entsteht das Lesbisch-Schwule Fimfestival, das heute mit 15.000 Besucher*innen jährlich eines der wichtigsten Treffen der queeren Community in Deutschland ist. 

14. Juni 1945: Joachim Ribbentrop, Nationalsozialist und Außenminister des Deutschen Reichs, wird in einer Pension im Hamburger Grindenviertel vom britischen Militär und Geheimdienst festgenommen. Nach Kriegsende war er aus Berlin geflohen, um einer Verhaftung zu entgehen und sich in Südamerika niederzulassen. 

24. Mai 1982: In den Morgenstunden des 24. Mai 1982 zündet sich die Schriftstellerin und Dichterin Semra Ertan an einer Kreuzung in St. Pauli an. Mit ihrem Suizid, welchen sie vorher beim NDR angekündigt hatte, protestiert sie gegen den wachsenden Rassismus in der Bundesrepublik Deutschland. 

17. Mai 2014: Die Elbphilharmonie lädt zu einem "Tag der öffenen Tür" ein, zu dem nicht nur Gäste aus Politik und Kultur, sondern auch mehr als 1500 Kritiker*innen der neuen Konzerthalle unter dem Motto „Hafencity entern – Elbphilharmonie besichtigen“ kommen. Ihr Versuch, in die Elbphi zu gelangen, resultiert in dem ersten und vorerst letzten Einsatz von Wasserwerfern in der Hafencity. 

01. Mai 2008: Mehr als 10.000 antifaschistische Demonstrant*innen blockieren stundenlang kreativ den Nazi-Aufmarsch in Barmbek zum 01. Mai und verhindern so ihren Versuch, an die NS-Tradition des "Nationalen Feiertags des deutschen Volkes" anzuknüpfen. 

17. April 1958: Im Rahmen einer Demonstration gegen die Pläne der Bundesregierung, die Bundeswehr mit taktischen Atomwaffen auszustatten, versammeln sich rund 150.000 Menschen zum "Kampf dem Atomtod" auf dem Rathausmarkt. 

03. April 1915: Der Antifaschist und Spanienkämpfer Heinz Prieß wird in Hamburg geboren. Bereits als Jugendlicher ist er in kommunistischen Organisationen aktiv, flieht später ins Exil nach Dänemark und widmet sich dann dem Kampf gegen den Faschismus im Spanischen Krieg. 

17. März 1936: Der Kapp-Putsch endet, nachdem Arbeiter*innen mit einem Generalstreik das gesamte Land lahmgelegt haben. Auch in Harburg kommt es zu heftigen Auseinandersetzungen: Rechtsradikale Putschisten verschanzen sich in einer Schule in Heimfeld, woraufhin die Einwohner*innen sie erfolgreich belagern und zwingen, sich zu ergeben. 

15. März 1936: Vor dem Hintergrund des Erstarkens nationalsozialisischer Kräfte knickt die Stadtregierung ein und genehmigt den Bau des "Kriegsklotz" am Dammtor-Bahnhof, ein Denkmal zur Glorifizierung von Kriegstaten im 1. Weltkrieg, das 1936 eingeweiht wird. 2015 entsteht unmittelbar daneben das Deserteurs-Denkmal, das an alle erschossenen, antifaschistischen Hamburger*innen erinnert. 

24. Februar 2010: Einwohner*innen von Altona und Aktivist*innen vernetzen sich und gründen die Initiative "Moorburgtrasse stoppen", um gegen die Pläne des Energiekonzerns Vattenfall und des schwarz-grünen Senats, eine Fernwärmetrasse zu bauen, zu protestieren. Der BUND reicht schließlich eine Klage gegen das Vorhaben ein - mit Erfolg. 

28. Januar 1972: Der sogenannte "Radikalenerlass", der zu einem einheitlichen Vorgehen gegen "Verfassungsfeinde" im öffentlichen Dienst verhelften sollte, wird vom ehemaligen Bundeskanzler Willy Brandt und den Ministerpräsidenten der Länder unterzeichnet. Formal gegen "Radikale" des linken wie rechten Spektrums gerichtet, trifft die existenzbedrohende Praxis vorwiegend linke Bewegungsaktivist*innen, Organisations- und Partei-Mitglieder. 

17. Januar 1906: Etwa 80.000 Arbeiter*innen gehen in den Ausstand, um gegen eine geplante Wahlrechtsreform, durch welche der Stimmanteil gering entlohnter Beschäftigter weiter abgesenkt würde, zu protestieren. Es kommt zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Streikenden und der Polizei - das regressive Wahlrecht wird Ende Januar mit großer Mehrheit verabschiedet. 

Texte: Lene Kempe und Andere