Pressemeldung | Lutz Raphael: Abschied von der Maloche

Über die Deindustrialisierung Westeuropas, den neoliberalen Mainstream und den Strukturwandel der Öffentlichkeit zwischen 1980 und 2000 Von Lutz Raphael  

Über die Deindustrialisierung Westeuropas, den neoliberalen Mainstream und den Strukturwandel der Öffentlichkeit zwischen 1980 und 2000 Von Lutz Raphael  

Im Folgenden soll es um Meinungswissen und mediale Wirklichkeitsverluste nach dem Boom gehen, um die Verbindung von Deindustrialisierung und einem neuen Strukturwandel der Öffentlichkeit. Zu den politischen und gesellschaftlichen Veränderungen der Öffentlichkeit bin ich über einen Umweg gekommen: Ich habe mich in meinem Buch »Jenseits von Kohle und Stahl. Eine Gesellschaftsgeschichte Westeuropas nach dem Boom« mit den wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Deindustrialisierung in Großbritannien, Frankreich und der alten Bundesrepublik im Zeitraum von 1980 bis 2000 beschäftigt.

Unter Deindustrialisierung darf man sich in aller Kürze vorstellen: Verlust von Industriearbeitsplätzen, Wegfall ganzer Branchen, Veröden bestimmter Regionen. Das ist die dramatische Seite, aber es gibt auch eine weniger dramatische. Das ist der Strukturwandel industrieller Fertigung, der klassisch durch Rationalisierung vorangetrieben wurde. Deindustrialisierung in Westeuropa war eng mit der dritten industriellen Revolution verknüpft. Der Computer hielt Einzug in die Betriebe, wurde für die Steuerung der Produktion, die Neuorganisation von Information und Logistik genutzt. Dies vollzog sich viel früher als der Einzug der Computer in die privaten Haushalte - erst mit dem PC, später dann via Internet.
Im Ergebnis konnten mehr und höherwertige Industrieprodukte mit deutlich weniger Beschäftigten erzeugt werden, aber die entscheidende Frage blieb, ob die Produktionsstätten und Industrieunternehmen nach dieser Rationalisierungswelle weiterhin »vor Ort« waren oder Deindustrialisierung auch den absoluten Rückgang industrieller Wertschöpfung bedeutete. Dies war von Region zu Region, vor allem aber von Land zu Land in Europa sehr unterschiedlich. In Großbritannien spielte nach 1990 Industrie nur noch eine Nebenrolle, in der Bundesrepublik blieb sie das Rückgrat einer immer stärker exportorientierten Wirtschaft.  (Vollständiger Artikel: veröffentlicht am 29.04.21 im Neuen Deutschland) 

Dieser Artikel ist eine Weiterfürhrung des Vortrags vom 08.12.20 der ein Teil unseres interdisziplinären Kolloquiums im Wintersemester 20/21 war. Dieser kann  auf unserem YouTube Kanal nachgeschaut werden.