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Publikation : Shoppingmalls zu Sorgezentren

Wie lassen sich Gewerbeimmobilien vergesellschaften und für Nahversorgung und Care-Einrichtungen sichern?

Wichtige Fakten

Reihe
Buch/ Broschur
Erschienen
August 2026
Bestellhinweis
Bestellbar

Details

Anstatt die leer fallenden Shoppingcenter weiteren Zyklen spekulativer Investitionen zu überlassen, bieten sie sich als Begegnungsorte an, die es ermöglichen, Sorgeinfrastrukturen aus- und umzubauen, sie gemeinwohlorientiert und gemeinschaftlich zu betreiben und eine ganze Band-breite von Care-Tätigkeiten und Beratungsangeboten an einem Ort zu bündeln.

Die Care-Krise schafft es inzwischen regelmäßig in die Medien. Insbesondere die desaströse Situation in der Altenpflege ist ein Dauerbrenner in politischen Debatten. Doch die Antworten zielen daneben: noch mehr Pflegeabkommen, um Menschen aus dem globalen Süden die ausbeuterische Sorgearbeit machen zu lassen; noch längere Arbeitszeiten in Krankenhäusern, weil schlicht das Personal fehlt; noch höhere Krankenkassenbeiträge, explodierende Kosten für einen Platz im Pflegeheim und immer mehr unerledigte Aufgaben, die in den Familien und Haushalten landen und dort zu Überlastung führen.

All das steht für ein Problem, das sich systemimmanent nicht lösen lässt. Im Sinne einer umfassenden Befreiung muss Sorgearbeit daher grundlegend anders organisiert werden: Sie muss nicht nur raus aus der kapitalistischen Profitlogik, die mit fürsorglichen Tätigkeiten besonders schlecht vereinbar ist, sondern sie muss auch raus aus der jeweils individualisierten Verantwortung in den Privathaushalten. Was es braucht, ist eine «doppelte Entprivatisierung».

Ein wichtiges Element in all diesen Ansätzen eines kommunalen Einstiegs in eine solche Transformation ist die Einrichtung von nachbarschaftsbezogenen Sorgezentren, wie sie etwa in Mexiko-Stadt, Bogotá, Santiago de Chile oder Barcelona bereits bestehen. Und auch in Deutschland wird mit vereinten Kräften daran gearbeitet: Unter dem Slogan «Shoppingmalls zu Sorgezentren» hat sich seit der Vergesellschaftungskonferenz «Let’s Socialize» im März 2024 eine bundesweite Vernetzung von care-feministisch und stadtpolitisch Aktiven gebildet. Als treibende Kraft entwickelt die Gruppe «Sorge ins Parkcenter» in Berlin-Treptow eine Kampagne, deren Ziel es ist, eine gemeinwohlorientierte Umnutzung leerstehender Shoppingmalls mit dem Auf- und Umbau öffentlicher und demokratisch organisierter Sorgeinfrastrukturen zu verbinden.

Die privatisierten und baulich schwer adaptierbaren Flächen entziehen sich bislang weitgehend einer aktiven Stadtentwicklungspolitik. Obwohl genau diese planerische Steuerung vonnöten wäre. Denn Einkaufszentren liegen meist zentral, sind gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden und bündeln in dicht bebauten Innenstädten riesige – oft zu großen Teilen leerstehende – Flächen, die ganze Nachbarschaften prägen. Sie müssen als kritische Infrastrukturen der alltäglichen Versorgung begriffen werden. Anstatt die leer fallenden Center weiteren Zyklen spekulativer Investitionen zu überlassen, bieten sie sich als gemeinschaftliche Begegnungsorte an, die es ermöglichen, Sorgeinfrastrukturen aus- und umzubauen, sie gemeinwohlorientiert und gemeinschaftlich zu betreiben und eine ganze Bandbreite von Care-Tätigkeiten und Beratungsangeboten an einem Ort zu bündeln.

Inhalt:

  • Einleitung
  • Hannah Berner:
    Geschichte und Gegenwart der Shoppingmall
  • Hannah Berner und Barbara Fried im Gespräch mit Christoph Trautvetter:
    Spekulation auf Kosten der Nachbarschaften
    Das Geschäft mit Warenhäusern und Shoppingcentern
  • Barbara Fried im Gespräch mit Katalin Gennburg:
    Konsumtempel mit neuem Leben füllen
    Was tun mit den leeren Shoppingmalls?
  • Hannah Berner im Gespräch mit Manuel Ehlers:
    Kämpfe um Eigentum und Finanzierung
    Wie kommen wir an unser Sorgezentrum?
  • Hannah Berner und Amelie Cassada:
    Hürden und Chancen: Das Baurecht verstehen
  • Gebäude retten!
    Engagement-Kit gegen Abriss und für Umnutzung
  • Umgenutzte Gewerbeimmobilien und Sorgezentren
    Internationale Beispiele aus der Praxis
  • Inga Lamprecht:
    Ein Tag im Sorgezentrum
    Was ist ein Sorgezentrum und warum brauchen wir das?

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