28. März 2020 Seminar FÄLLT AUS! Zusammen lesen: Georg Lukács

Information

Veranstaltungsort

Fabrique im Gängeviertel - Seminarraum 4. OG
Valentinskamp 34a
20355 Hamburg

Zeit

28.03.2020, 10:00 - 18:00 Uhr

Themenbereiche

Deutsche / Europäische Geschichte, Erinnerungspolitik / Antifaschismus, Gesellschaftstheorie, Kapitalismusanalyse

Kosten

Normalpreis: 10,00 €

Zugeordnete Dateien

FÄLLT AUS! Zusammen lesen: Georg Lukács

Aufgrund der Corona-Pandemie müssen wir diese Veranstaltung leider absagen. Wir suchen derzeit nach einem Ersatztermin, über den wir rechtzeitig auf dieser Website informieren.

In unserer Reihe „zusammen lesen“ wollen wir 2020 in fünf eintägigen Workshops bedeutende linke Theoretikerinnen und Theoretiker lesend kennenlernen. Die Workshops haben einen Einführungscharakter. Die Theoretiker*innen im Jahr 2020 sind: Hannah Arendt, Georg Lukács, Stuart Hall, Judith Butler und Friedrich Engels.

Im Anschluss an ein einordnendes Inputreferat zur/m entsprechenden Theoretiker_in und ihrem Denken steht die gemeinsame Erarbeitung der jeweiligen Theorien am Beispiel ausgewählter Originaltexte im Mittelpunkt. Dabei geht es uns um eine einführende Auseinandersetzung mit kritischen Gesellschaftstheorien, die den politisch-praktischen Alltags- und Gegenwartsbezug der jeweiligen Theoretiker_innen in den Blick nimmt.

In den Workshops sollen nicht nur zentrale Gedanken der Theoretiker*innen gemeinsam erarbeitet und kritisch diskutiert werden, sondern es soll auch ein Raum geschaffen werden, in dem politisch Engagierte ihre alltäglichen Erfahrungen in Bezug auf die jeweiligen Theorien diskutieren und theoretisch reflektieren können.

Georg Lukács gilt als bedeutender Repräsentant undogmatischer marxistischer Philosophie und einer der großen, kontroversen Intellektuellen des 20. Jahrhunderts. Geprägt durch den Ersten Weltkrieg und die Oktoberrevolution, die Auseinandersetzung mit Lebensphilosophie, Neukantianismus und Max Webers Soziologie, suchte der Jugendfreund Ernst Blochs nach seiner vormarxistischen Essayphase eine Synthese hegelianischer und marxscher Denkmotive. Dabei wurde er von den Dogmatikern des Marxismus-Leninismus bekämpft und als Initiator des Westlichen Marxismus gefeiert.

In seinem philosophischen Hauptwerk "Geschichte und Klassenbewußtsein" entwickelte er 1923 eine Philosophie der Praxis, deren zentrale Kategorie der Verdinglichung aus der Geschichte der Kritischen Theorie (von Adorno bis zu Habermas und Honneth nicht wegzudenken ist und um 1968 weltweit wiederentdeckt wurde. Das Buch ist gleichermaßen emphatischer Ausdruck einer revolutionären Phase, wie Reflexion der ideologische Krise der politischen Avantgarde. In den Nazizeit und in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg engagierte sich Lukács im Kampf gegen die ideologischen Wurzeln des Rechtsradikalismus. Sein in diesem Kontext entstandene Studie "Die Zerstörung der Vernunft" (1954) war ebenso einflussreich wie umstritten.

In seinem postum erschienen Spätwerk zur "Ontologie des gesellschaftlichen Seins" versuchten Lukács und dann auch seine Budapester Schule (Agnes Heller u.a.) einer poststalinistischen Renaissance des Marxismus ein theoretisches Fundament zu geben. Wie unbequem Lukács bis zum heutigen Tage geblieben ist, zeigt sich aktuell im Umgang von Orbans Ungarn mit dem Budapester Lukács-Archiv, das trotz massiver internationaler Proteste kürzlich geschlossen worden ist. Seit einigen Jahren ist zumal im englischen Sprachraum, aber auch in Lateinamerika und Asien eine Art Lukács-Renaissance zu beobachten. Kein Wunder: Unsere neoliberale Gegenwart produziert und reproduziert alltäglich herkömmliche wie neue Phänomene der Verdinglichung, die eine theoretische wie praktische Aufarbeitung verlangen.

Rüdiger Dannemann ist Vorsitzender der Internationalen Georg-Lukács-Gesellschaft. Er studierte Philosophie, Germanistik und Geschichte in Bochum und Frankfurt/Main. Promotion in Rotterdam mit "Das Prinzip Verdinglichung". Zahlreiche Veröffentlichungen zur Sozialphilosophie und politischen Philosophie, speziell zu Lukács, dem Westlichen Marxismus und der Kritischen Theorie, sowie zu literaturwissenschaftlichen und musikästhetischen Themen.

Anmeldung erforderlich! Unter: anmeldung@rls-hamburg.de

Gefördert von der Landeszentrale für politische Bildung.

Standort

Kontakt

Rosa Luxemburg Stiftung Hamburg

Telefon: 040 28003705